Auch der neuste Teil, der Need for Speed Serie, wurde von uns auf den Prüfstand gefahren und einmal ganz genau unter die Lupe genommen. Ob uns Electronic Arts im neusten Teil endlich wieder ein breites Lächeln ins Gesicht treibt oder ob hier mal wieder die Enttäuschung groß ist, das erfährst du wahlweise im Video oder den nachfolgenden Zeilen.

Die Menschen in Ventura Bay haben es echt nicht leicht: Ständig nieselt es, die Sonne will einfach nicht aufgehen, zu trinken gibt es überall nur Kaffee und teure Energy Drinks, und dann sind da noch diese verrückten Raser, die die Straßen unsicher machen. Ihren Dank dürfen die Anwohner an Ghost Games und Electronic Arts richten, die nach der letztjährigen Auszeit ein neues Need For Speed aus der Garage gelassen und zur Feier des Anlasses direkt auf einen Untertitel verzichtet haben. Wir schauen uns für euch einmal genauer an, ob illegale Straßenrennen bei Nacht immer noch den gleichen Reiz ausüben wie vor etwas mehr als zehn Jahren.

Aber fangen wir erst mal mit der Story an, oder was man so Story nennen will. Die cheesigen, B-Movie-artigen Zwischensequenzen dienen nämlich nur dem Zweck, den Spieler von Rennen zu Rennen zu führen und dabei ein klein wenig Rahmen zu bieten, eine wirklich interessante Geschichte wird dabei nicht erzählt. Andererseits funktionieren Ernst und Dramatik in Rennspielen nur äußerst selten. Hier geht es bloß darum, Rennen zu fahren, damit im Internet berühmt zu werden und gewisse Idolfiguren zu treffen.

Need for Speed

Das Ganze wird aus der Ego-Perspektive unseres stummen und komplett undefinierten Spielcharakters präsentiert, garniert mit kleinen Spielereien, beispielsweise dass man sich Stühle zum Hinsetzen zurechtrückt oder eine Dose oder Tasse an den Hals setzt. Eine besondere Erwähnung gibt es in diesem Zusammenhang für den inflationären Gebrauch von Gettofäusten. Die Leute, die euch dabei durch Kamera und Bildschirm hindurch ansprechen, sind simpel, übertrieben, und teilweise echt klischeehaft. Aber zum einen ist der Humor stellenweise gut gelungen, und zum anderen braucht man wie erwähnt keine dicke Story für ein gutes Rennspiel.

Richten wir unser Augenmerk also lieber auf das Gameplay. Need For Speed ist ein Open World Rennspiel, man heizt also durch Ventura Bay und bestreitet verschiedene Events, die quer über die Karte verstreut sind. Die Palette reicht dabei von Zeitfahrherausforderung über Checkpoint- und Rundrennen bis hin zu verschiedenen Driftmodi, in dieser Hinsicht haben die Entwickler einiges versucht, um Abwechslung reinzubringen. Angesichts der offensichtlichen Ähnlichkeit zu den hauseigenen Undergroundablegern hätten wir uns sehr über Dragrennen gefreut, aber man kann ja nicht alles haben. Dass man aber zum Starten eines Events zwingend in die richtige Richtung stehen muss, ist schon eher unverständlich und nervt nach einer Weile.

Davon wird die letzte Beschäftigungsmöglichkeit nicht tangiert, die Verfolgungsjagden mit der Polizei nämlich, die sich sowohl bei Rennen als auch beim entspannten Dahinrasen an eure Fersen heften kann. Hin und wieder führt dieses offene Konzept allerdings auch zu kleinen Problemchen, zum Beispiel dann, wenn ihr die Gesetzeshüter kurz vor dem Start eines Events aufgeschreckt habt und sie daraufhin beim Losfahren quer vor euch stehen. Das passiert glücklicherweise nicht allzu oft, ist dann aber ziemlich ärgerlich. Trotzdem macht es Spaß, mit den Grün-Weißen Katz und Maus zu spielen, vor allem, weil man nach erfolgreicher Flucht mit Geld und Erfahrung belohnt wird.

Need for Speed

Das Geld wird dann natürlich auch großzügig reinvestiert. Entweder in Leistungsupgrades, Optiktuning oder auch gleich in einen neuen fahrbaren Untersatz. Wer am Aussehen seiner PS-Schleuder basteln möchte, hat dazu viele Ansatzmöglichkeiten, allerdings je nach Hersteller eine recht eingeschränkte Auswahl an Teilen. Der Ferrari beispielsweise, das teuerste Auto des Spiels, bietet ein einsames Bodykit. Erfreulich umfangreich ist dagegen die Auswahl an Folien, die man fast beliebig auf der Karosserie anbringen kann. Und zuguterletzt darf man noch an verschiedenen Reglern schrauben, um das Fahrverhalten zu beeinflussen.

Jetzt zu den Erfahrungspunkten, die im Gegensatz zu waschechten Rollenspielen nichts mit irgendwelchen Fähigkeiten zu tun haben, sondern zum Freischalten von Events und Tuningoptionen dienen. Auf der ersten Hälfte der EP-Leiter kommen die Level Ups und damit neuer Content relativ schnell und regelmäßig, später wird das ganze dann um einiges langsamer, und da die Rennen irgendwann ziemlich herausfordernd werden, ist es dann teilweise ziemlich grindlastig. Zum Glück kann man Erfahrungspunkte auch außerhalb der Events sammeln, indem man rast, driftet und möglichst viele Sachen kaputtmacht, aber allzu viel schneller geht es dadurch auch nicht voran.

Erfahrungspunkte

Gerade angesichts dieser Tatsache ist es äußerst interessant, dass es keinen Onlineshop gibt, in dem man dann irgendwie Erfahrungspunkte oder Spielgeld kaufen könnte, um die Sache zu beschleunigen. In der heutigen Zeit, in der bei Spielen oft jede Möglichkeit genutzt wird, um zusätzliche Einnahmequellen zu generieren, ist das fast schon ungewohnt. In diesem Zusammenhang übrigens noch positiv erwähnenswert: Sämtlicher DLC soll kostenlos sein, was wir sehr lobenswert finden.

Das klingt jetzt nach einigen Ecken und Kanten, aber auch wenn es da die eine oder andere Sache gibt, die für Kopfschütteln sorgt, alles in alles kann man durchaus den einen oder anderen Abend an Need For Speed verlieren. Dafür sorgen die gut gestaltete Stadt, das motivierende Freischaltsystem und nicht zuletzt das gelungene, wenn auch größtenteils simple Fahrverhalten. Wenn man ein Gefühl fürs richtige Driften entwickelt hat, macht es einen Heidenspaß, die Serpentinen runter zu rauschen, und mit knapp 300 Sachen über den Highway zu scheppern ruft Erinnerungen an die Burnout-Reihe wach. Irgendwann ist bei jeder Art von Open World Spiel natürlich die Luft raus, aber dieser Punkt liegt hier ein gutes Stück weit im zweistelligen Spielstundenbereich.

Die Grafik ist insgesamt ganz nett geworden, von einigen Slowdowns hier und da mal abgesehen. Einmal kam es bei unserem Test vor, dass das Spiel allgemein geruckelt hat, das ließ sich aber durch einen simplen Neustart wieder beheben. Davon abgesehen macht die Stadt einiges her, was nicht zuletzt am gewählten Setting liegt. Bei Nacht und leichtem Nieselregen sehen Städte nun mal am besten aus, außerdem sind Wassertropfen auf dem Lack von Autos wohl DER Standard-Eyecandy-Effekt bei heutigen Rennspielen.

Was Ventura Bay natürlich nicht bieten kann, ist ein riesiges Maß an optischer Abwechslung. Abgesehen von einigen Bergstraßen hat man es halt immer mit einem Stadtsetting zu tun, und nachts sieht man auch wenig von etwaigen Sehenswürdigkeiten. So bleibt als einzige optische Unterscheidung nur die Farbe der Lichteffekte, aber von einem wirklichen grafischen Unterschied zwischen den einzelnen Stadtteilen ist nicht allzu viel zu erkennen. Aber das eine Setting wurde so gescheit umgesetzt, dass man ziemlich lange damit zufrieden ist.

Highway

Der Sound bewegt sich in etwa auf dem Niveau, das man bei einem heutigen Rennspiel erwarten würde: Ein größtenteils passender lizensierter Soundtrack, bestehend aus Drum and Bass und Dubstep, gepaart mit guten Soundeffekten. Die quietschenden Reifen am Anfang eines Events beispielsweise bohren sich richtig ins Trommelfell. Abgerundet wird das Ganze von einer enthusiastischen deutschen Synchronisation, was bei den ohnehin überzeichneten Charakteren eigentlich recht gut passt, angesichts der Ganzen Aufputschgetränke, von denen die sich ernähren.

Eine letzte technische Erwähnung noch: Wer in diesem Spiel die Stadt unsicher machen will, benötigt dafür auch auf der Konsole ein Origin-Konto und eine dauerhafte Onlineverbindung. Sollte eines von beidem nicht vorhanden sein, dann ist beim Startmenü Schluss, auch wenn man alleine spielen möchte. Und sollte mittendrin die Verbindung abbrechen, wird man sofort aus dem Spiel geworfen. Dieser Onlinezwang ist schade, weil man eigentlich das gesamte Spiel auch ohne Mitspieler erleben kann, ohne irgendwelche Nachteile zu haben.

Zuguterletzt noch eine kleine Info für die PC-Zocker: Bislang gibt es Need For Speed nur auch Xbox One und Playstation 4, eine PC-Version ist nach wie vor geplant, wurde allerdings vor allem als Reaktion auf Fanbeschwerden wegen der 30 fps Begrenzung auf das zweite Quartal 2016 verschoben. Je nachdem, ob die Entwickler noch einige der anderen Kritikpunkte ausbessern, könnte dieser Port sogar noch ein wenig besser werden als die ohnehin schon ziemlich gute Konsolenfassung.

Need For Speed mag durchaus die eine oder andere Macke haben, alles in allem bietet es aber durchaus packende Straßenraserei, die eine ganze Weile zu motivieren weiß. Die Realfilmsequenzen und sonstiges Drumherum sind sicherlich Geschmackssache, aber das spielerische Gesamtpaket weiß zu überzeugen. Auch wenn beispielsweise zu einem Forza Horizon 2 noch ein kleiner Hauch fehlt, wir können den Daumen bedenkenlos nach oben zeigen lassen, Ventura Bay ist ein lohnenswertes Ziel für den geneigten Tuningurlauber.

Was hältst du von Need for Speed? Schreibe uns doch einmal deine Meinung zum Spiel in die Kommentare!

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