FIFA 12 – Review
Die FIFA-Reihe ist einer der erfolgreichsten Spiele-Reihen aller Zeiten und plattformübergreifende 3,2 Millionen Verkäufe in der ersten Woche sprechen eine deutliche Sprache. Diese machen das Spiel zum meistverkauften Sportspiel in der ersten Verkaufswoche und sind ganze 600.000 Exemplare mehr als der Vorgänger. Doch hält das Spiel überhaupt das, was der große Hype verspricht? Wie machen sich die neuen Features und Spielmodi? Und gehören Frustmomente endlich der Vergangenheit an?
Im Hauptmenü fällt zunächst einmal die Masse an verfügbaren Spielmodi und Optionen auf. Neben den bereits bekannten Modi Anstoß, Karrieremodus, Online-Spiel usw. erwartet uns auch erstmals der Modus Ultimate Team bereits auf der DVD vorinstalliert – in den vergangenen Versionen gab es diesen nur als Download. Auch komplett neue Spielmöglichkeiten gibt es in FIFA 12. So gibt es erstmals die Option Saisons im Mann gegen Mann zu spielen, wo ihr euch online mit anderen Spielern in einem eigenen Ligensystem messen könnt. Mehr dazu später.
Wenn ihr FIFA das erste Mal startet, wird euch das neue “Support Your Club”-Feature erklärt. Indem ihr eure Lieblingsmannschaft auswählt, habt ihr die Möglichkeit, mit jedem Spiel, das ihr bestreitet, das Team zu unterstützen. Die gesammelten Erfahrungspunkte fließen automatisch in die Wertung für das Team ein und dasjenige, das die erfolgreichsten Spieler besitzt, wird den obersten Tabellenplatz in der jeweiligen Liga einnehmen. Um ausgleichende Gerechtigkeit zwischen den großen und kleinen Mannschaften zu gewährleisten, wird der Schnitt an Erfahrungspunkten, die die Fans eines Teams sammeln, ermittelt und nicht die Gesamtzahl, da sonst Teams wie der FC Augsburg gegen einen FC Bayern oder Borussia Dortmund chancenlos wären. Mit dem vorhandenen System hat somit jeder Fußball Club die Möglichkeit am Ende an der Tabellenspitze zu stehen – abhängig davon wie erfolgreich die Fans sind.
Wie jedes Jahr haben die Entwickler auch dieses Jahr ein Feature, das sie besonders bewerben. Was in FIFA 11 die “Player Personality”, also die jeweiligen Stärken und Schwächen der Spieler, darstellt, ist in FIFA 12 die “Player Impact Engine”. Die Kollisionsabfrage war bisher immer etwas fragwürdig und da haben die Entwickler in ganzen zwei Jahre Entwicklungszeit eine komplett neue Engine entwickelt. Bei Tacklings und Grätschen fallen Spieler nun realistisch über die Beine des Verteidigers. Auch bei Zweikämpfen wie Kopfbällen bekommt ihr schnell ein Gespür dafür, wie sich Ball und Spieler verhalten und dies ist durchaus realistisch. Auch wenn hier und da ein paar Ping-Pong-Situationen entstehen, in denen der Ball seltsam zwischen mehreren Spielern hin und her springt, ist es in der Regel absehbar, wie ihr an den Ball kommt und den Gegner stellen könnt bzw. seinen Versuchen, den Ball zu übernehmen, entgehen könnt.
Den Spielfluss verbessert passend dazu das “Precision Dribbling”. Eure Spieler führen ab jetzt sehr eng den Ball am Körper und mit Hilfe der Tricktaste lassen sich die Gegenspieler elegant und effektiv ausdribbeln. Die überarbeitete Ballführung wirkt sich sehr positiv auf das Spielerlebnis aus, weil ihr viel mehr Freiheiten habt, wie ihr euren Angriff gestaltet und nicht die ganze Zeit ein Auge dafür haben müsst, dass der ballführende Spieler die Kugel nicht verliert. In dieses System greift das “Tactical Defending”. Was euch in einem optionalen Einführungsmodus erklärt wird, könnt ihr dort auch noch sehr einfach und anschaulich ausführen. Spieler abdrängen oder kleinere Körper-Tacklings lassen sich mit nur einer Taste ausführen und macht es somit auch für Einsteiger leicht zu bedienen. Auch wenn das taktische Verteidigen im Spiel nach einiger Übung relativ problemlos von der Hand geht, ist die Methode nicht unbedingt effektiver als die klassische Verteidigung. Ganz bewusst hat EA dem Spieler die Option gelassen, das Verteidigungs-System auszuwählen, da manche Spieler mit einer Methode besser klar kommen als mit der anderen. Auch wenn es sich noch weisen muss, welche Methode die Mehrzahl an Spieler bevorzugt, ist es sehr angenehm, die Wahl zu haben, welche Methode man für sein Spiel verwendet.
Das Herz des Spiels, der Karrieremodus, hat ebenfalls einige Neuerungen erfahren. Eure Spieler fragen ab und an nach, ob sie ein Spiel aussetzen können, wenn sie sich nicht fit fühlen oder mehr Einsätze bekommen können, wenn sie zu viel auf der Bank sitzen. Somit seid ihr als Trainer / Manager gezwungen, auf die Bedürfnisse eurer Spieler zu achten, weil sie euch sonst mit Motivationsverlust quittieren könnten. Zudem habt ihr nun die Möglichkeit bei einer Transferperiode noch in letzter Sekunde tätig zu werden. Stundenweise läuft ein Countdown herunter, bei dem ihr einmal in einer virtuellen Stunde eine Aktion starten und natürlich auch das Verhalten der anderen Vereine verfolgen könnt.
Im Mehrspieler wird euch Altbewährtes geboten. Sowohl Online als auch Offline könnt ihr euch mit euren Freunden messen oder zusammen gegen andere Gegner spielen. Über euer Netzwerk könnt ihr mit Freunden einen eigenen Club gründen und mit eurem Virtual Pro zusammen mit euren Freunden gegen andere Clubs antreten, um euch in der Rangliste nach oben zu arbeiten. Auch außerhalb des Club-Features habt ihr die Möglichkeit im 11 gegen 11 anzutreten, bei dem ihr einen Fußballer steuert und der Rest durch andere Spieler übernommen wird. Neben den Felspielern bietet euch FIFA zudem die Möglichkeit auch als Torwart aktiv werden zu können, was es ermöglicht, dass alle 22 Spieler auf dem Feld von realen Spielern navigiert werden, was nicht nur eine Menge Spaß, sondern auch viel Spannung erzeugen kann. Auch an neuen Online-Features hat EA gearbeitet. Der neue Spielmodus “Mann gegen Mann Saisons” etabliert ein neues Ligensystem, das einzig und allein von Spielern gefüllt wird. Am Anfang startet ihr in Liga 10 und habt 10 Saisonspiele, um vier Siege zu sammeln und in die nächste Liga aufsteigen zu können. Je nachdem, wie gut eure Spielfähigkeiten sind, werdet ihr dann nach und nach Richtung oben oder unten relegiert, sodass euch in den obersten Ligen auch die besten Spieler der Welt erwarten und ihr gegen Leute mit einem ähnlichen Skill antreten könnt.
Bei der Präsentation wurde auch eine großer Sprung nach vorne gemacht. Vor allem die Spielermodelle bekannter Spieler sehen nun sehr detailgetreu aus und Spieler wie Mesut Özil, Cristiano Ronaldo oder Franck Ribéry sind einwandfrei mit ihrem realen Konterfei identifizierbar. Lediglich viele Ersatzspieler haben keine Überarbeitung bekommen und sind teilweise nur schemenhaft nachgebildet, was sehr schade ist, da sie im Vergleich zu den gut modellierten Top-Spielern qualitativ stark abfallen. Das Publikum sieht im Allgemeinen ganz ordentlich aus, die Fans tragen Trikots und schwenken Flaggen ihrer Mannschaft, allerdings sind diese sehr schwammig, wenn es um Texturen geht. Zudem bewegen sich die Fans sehr monoton und alle gleich, weshalb es wenig Freude bereitet, den Fokus länger auf das Publikum zu richten. Da ist es besser, auf dem Platz selbst zu bleiben, der sehr gut aussieht und besser ausgeleuchtet ist, als noch in den Teilen zuvor.
Viel Arbeit floss auch in die Arbeit an der künstlichen Intelligenz. Die Gegner machen kaum noch fahrlässige Fehler, leichte Ballübernahmen wie in den letztjährigen FIFA-Teilen gehören der Vergangenheit an. Auch Tricks und Kombinationen werden oft vom Gegner benutzt, um eure Verteidigung auszuhebeln und eine freie Bahn zum Torschuss zu ermöglichen. Mehr denn je ist es daher wichtig, dass ihr in der Verteidigung konzentriert arbeitet, allerdings werdet ihr von euren Mitspielern oft im Stich gelassen. Vor allem bei den höheren Schwierigkeitsgraden fällt die KI der Mitspieler im Vergleich zur KI des Gegners stark ab. Während sich die Gegenspieler immer freilaufen und kluge Laufwege suchen, heben die Außenspieler in eurer Mannschaft oft das Abseits auf und laufen nicht konsequent zum Gegner. Auch im Offensivverhalten unterlaufen euren Mitspielern oft Fehler. Sie kreuzen so gut wie nie die Laufwege des ballführenden Spielers und bleiben auf den Außenbahnen stehen, anstelle weiterzulaufen und euch einen Steilpass zu ermöglichen. So könnt ihr das Spiel selten schnell machen und müsst mehr und mehr den Weg nach hinten antreten, um hinterher effektiv nach vorne spielen zu können. Vor allem, wenn ihr ungeduldig seid oder noch schnell ein Tor benötigt, kann das schnell mal zu Frust führen. Auch der Torwart greift oft daneben und zeigt beim Herauslaufen aus dem Tor so manche Schwäche, die im 1 gegen 1 viel zu oft zu einem Gegentor führen. Zumal der gegnerische Torwart in dieser Hinsicht deutlich besser ist und das ist nicht nachvollziehbar.
Ebenfalls nicht ganz fehlerfrei sind die Beurteilungen des Schiedsrichters. Eine Kinderkrankheit von FIFA findet auch im diesjährigen Teil kein Ende. Nicht nachvollziehbare Entscheidungen begegnen euch quasi in jedem Match, so werden Elfmeter und Karten vergeben, die gar keine sind und gelbe Karten werden zu roten und umgekehrt. Auch wenn der Großteil der zu bewertenden Szenen vom Schiedsrichter richtig entschieden werden, können die Fehlentscheidungen schon auch mal ein Spiel kosten und treten leider in einer Häufigkeit auf, die auffällig ist und sich negativ auf das Gameplay auswirken.
Fazit
FIFA 12 ist ein sehr gut entwickeltes Spiel, dem man die langjährige Erfahrung und das Know How der Entwickler deutlich anmerkt. Die Grafik ist absolut auf der Höhe der Zeit und zu authentischen Fangesängen ein Tor zu schießen, ist schöner als in jedem anderen Fußballspiel. Die aktuellen Spielerlizenzen sind wie gewohnt vorhanden, nur die Rechte am deutschen Pokal und der Champions League, wovon zweitere dieses Jahr exklusiv beim Konkurrenten Pro Evolution Soccer liegen, fehlen. Die neuen Modi fügen sich gut in das Spiel ein und die Fülle derer sorgt dafür, dass man lange an den Controller gefesselt bleibt und sowohl online, als auch offline immer etwas hat, woran man spielen kann. Bei dem vielen Licht gibt es aber auch ein wenig Schatten. So leidet FIFA 12 an den Fehlern, mit denen auch schon die vorherigen Teile zu tun hatten. Die Mitspieler-KI fällt gegenüber der Gegner-KI deutlich ab, die Schiedsrichter treffen so manche Fehlentscheidung und “Ping-Pong-Bälle” passieren auch viel zu oft. Wer damit leben kann, bekommt mit FIFA 12 ein Fußballerlebnis aller erster Klasse und wird lange unterhalten werden. Immerhin erwartet euch die realistischste Fußballsimulation, die es jemals gegeben hat.
Positives
- erstklassige Grafik
- sehr gute Gegner-KI
- große Anzahl an Modi
- 11 gegen 11 macht jede Menge Spaß
- überarbeiteter Karriere-Modus
- Online und Offline gleichermaßen spaßig
- komplette FIFA-Lizenz
- “Player Impact Engine”, “Tactical Defending” und “Precision Dribbling”
- “Support Your Club” ist innovativ und herausfordernd
Negatives
- kleinere Fehler bei der “Player Impact Engine”
- Mitspieler-KI etwas zu schlecht
- eigener Torwart schlechter als gegnerischer
- Schiedsrichter treffen zu viele Fehlentscheidungen
- Ball springt manchmal zwischen Spielern hin und her
Wertung












